Die Einheit des Kantons ist ernsthaft bedroht.

Die CSPO Fraktion des Verfassungsrates lehnt den Gesamtvorentwurf und somit das Resultat aus der 1. Lesung ab.

Diese Ablehnung bedeutet nicht, dass die CSPO Fraktion das Projekt der neuen Verfassung torpedieren will oder gar den Kopf in den Sand steckt. Im Gegenteil die CSPO sieht das Nein zum vorliegenden Vorentwurf als Motivation und Ansporn sich noch engagierter für eine im ganzen Wallis mehrheitsfähige Verfassung einzusetzen. Die Vorbehalte und Sorgen aus dem Oberwallis können belächelt, als mühsam und unnütz bezeichnet werden, es ist jedoch ein Abbild davon wie die Gesellschaft im deutschsprachigen Wallis der Verfassungsrevision gegenübersteht.

Wollen wir wirklich riskieren, dass die Verfassungsrevision unseren Kanton spaltet und einen Graben zwischen dem Oberwallis und dem Unterwallis aufreisst. Wollen wir in Kauf nehmen, dass eine überwältigende Mehrheit im Oberwallis sich durch die von uns in diesem Rat gefällten Entscheide missverstanden und untervertreten fühlt? Wollen wir den Nährboden legen für eine politische Teilung unseres Kantons?

Die Entscheide in Bezug auf den Ständerat, den Staatsrat wie auch den Grossrat welche die politisch gewichten Behörden darstellen sind allesamt in eine dem Oberwallis nachteilige Richtung verlaufen. Diese Entwicklung bedauern wir und waren überrascht und gleichermassen enttäuscht wie wenig Gespür und Gehör den sprachlichen und kulturellen Besonderheiten in unserem Kanton geschenkt wurde.

In Bezug auf die gesellschaftspolitischen Themen sehen wir einen grossen Wagen „Verfassung“ beladen mit dem sorgfältigen Umgang mit unseren Ressourcen, der subsidiären Unterstützung unserer Schwächsten, der Sorge um das Klima, der Achtung der Natur, der Unterstützung des Gemeinwohls und der Wirtschaft, das Stimm- und Wahlrecht für Niedergelassene auf kommunaler Ebene, der Volksmotion, die Elternzeit, freie Wahl des Schulmodells, das Einfrieren der Landwirtschaftszonen und noch vielen weiteren Artikeln für ein möglichst zukunftsfähiges und fortschrittliches Wallis. Das Fuder ist stark beladen, aus unserer Sicht in einigen Bereichen überladen und gespickt mit parteipolitischen Programmpunkten, welche auf dem ordentlichen politischen Weg keine Mehrheiten fanden und mittels dem „Büebutrickli“ namens Verfassungsrevision nun in der Verfassung  verankert werden sollen. Wir anerkennen, dass in der neu erarbeiteten Verfassung gewiss bereits gute Elemente Einzug halten. Als Beispiel die Anerkennung der deutschen und der französischen Sprache als Amtssprachen oder auch die verabschiedeten Artikel bei der Familien- und Bildungspolitik, die für die CSPO sehr wichtig sind. Es ist jedoch die Aufgabe des Verfassungsrats diesen Wagen so zu beladen, dass er fahrtüchtig und im politischen Kontext mehrheitsfähig ist und nicht unter der Last der (zu)vielen Artikeln zusammenbricht.

Wir Walliser sind ehrgeizig, willensstark und hartnäckig und in diesem Sinn und Geist wird sich die CSPO weiter für ein geeintes Wallis stark machen.